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23. Januar oder: der Tag der mein Leben veränderte…

es war ein ganz normaler Tag. So dachte ich mir. Ich hatte wie jeden Mittwoch um 11:00 Therapie. Ich fühlte mich zwar nicht gut, hatte so ein komisches Gefühl in mir drinnen. Und ich hatte einen sonderbaren Traum. Von einer Pflanze die ich in den Händen hielt und die langsam immer mehr zerfällt…

Ich hab meiner Psychiaterin gesagt dass ich so ein komisches Gefühl hätte und auch die Angst jemand könne sterben… sie verneinte das und versuchte mir meine Angst zu nehmen. Ich bin dann wieder zur Arbeit und hab diese wie immer getan.

Mein Freund Heiri mit dem ich jeden Tag ins Warteck (Kneipe) ging, musste noch eine halbe Stunde länger arbeiten da er zu spät kam. Weil wir einen Tag vorher ziemlich über die Stränge geschlagen haben…

Also ging ich schon mal ins Warteck bestellte mein Bier und wartete. Als er kam redeten wir ganz normal und er trank auch sein Bier und wir rauchten. Er klagte über Schmerzen im linken Arm. Und wir dachten noch das komme von der Arbeit, die er seit einer Weile machen musste und damit auch seinen linken Arm belastete… und ich riet ihm, dem Gruppenleiter zu sagen, dass er mal was Anderes machen könne… dann meinte er, es sei im schlecht. Ich schickte ihn auf s Klo, weil ich hatte das genau einen Monat vorher: mir war schlecht, musste mich übergeben, und  dann ging mir das wieder gut… doch dass es bei ihm nicht so ist und das die letzten Worte die ich mit ihm sprach waren, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Er machte sich auf den Weg zum Klo, musste noch die Treppe runter. Ich sass da und fühlte mich komisch… und rauchte und trank mein Bier weiter. Es vergingen Minuten und er kam nicht… ich machte mir Sorgen… hätte ich geahnt wie begründet diese waren währe ich nicht so auf meinem Stuhl gesessen und hätte geraucht und an meinem Bier genuckelt. Ich dachte mir: Noch eine Zigarette und wenn er dann nicht zurückkommt geh ich nachschauen… vor mir sein angefangenes Bier… es war das Letzte was ich von ihm noch hatte in diesem Moment…

Ich war in der Hälfte meiner Zigarette da kam ein Gast rauf den wir kannten und meinte dass Heiri vor dem Klo aufm Gang liegt, er sei kollabiert.  Ich geriet in Panik…

Und er lag da, hatte Schnappatmung und war ganz rot im Gesicht. Mit einer Wunde am Kopf, aus der er blutete…. Zum Glück  war ein Rettungssanitäter vor Ort der Wiederbelebungsversuche unternahm.  Und ich war einem Zusammenbruch nahe.

Irgendwer alarmierte den Rettungswagen. Der Restaurantbesitzer kam rauf und meinte, es sei zu spät, man könne nichts mehr für Heiri tun. Ich schrie nein nein nein du lügst mich an! Er umarmte mich. Und ich hatte einen Nervenzusammenbruch.

Der RTW mit Notärztin waren dann nach meinem Empfinden viel zu spät eingetroffen. Sie machten wiederbelebungsversuche. Ein Rettungssanitäter ging raus zum  RTW, ich ihm hinterher. Klammerte mich an ihn und weinte und sagte er solle mir doch sagen wie es Heiri geht. Er meinte ich solle mich in den RTW setzen und er dürfe mir keine Auskunft geben. Dann rief er ins Krankenhaus an um den Exitus zu melden. Ich wusste: Exitus= Tod. Heiri war tot… ich schluchzte, weinte und warf mich dem armen Rettungssanitäter in die Arme… ich glaube er war ein wenig überfordert mit der Situation. Er wollte mich wieder in den RTW setzen. Ich wollte nicht alleine sein. Brauchte Menschen um mich…

Doch kriegte ich es gebacken, unseren Chef zu Hause anzurufen. Seine Frau ging ran und ich erklärte ihr so gut mir das in dieser Situation möglich war die Situation. Und sie war sehr einfühlsam und versprach mir dass ihr Mann mich zurückruft auf meinem Mobile. Was er kurze Zeit später auch tat. Ich erzählte ihm was passiert war. Und sagte gleichzeitig auch dass ich mir am liebsten das Leben nehmen würde, ich wolle sterben…

Als die Notärztin kam und mich sah und mir die Todesnachricht überbrachte, umarmte sie mich… das hat mir irgendwie Halt gegeben. Und irgendwann kam noch der Chef von der Heilsarmee, da Heiri im Wohnheim der Heilsarmee lebte. Der Chef, der mich auch kannte, war auch sehr sehr verständnisvoll und meinte aber, dass ich jederzeit in der Heilsarmee willkommen bin. Worauf ich dann erwiderte dass ich das nicht könnte…

Die Polizei: Der Kantonspolizist wollte mich vernehmen. Zuerst war ich nicht in der Lage mit ihm zu reden.  Er liess mich zunächst in Ruhe. Kam dann wieder und entschuldigte sich noch dafür. Ich wusste, er muss auch seinen Job machen… ich war ihm nicht böse.  Zwischendurch hielt er meine Hand. Hat gut getan… weil in dem Moment tat mir jede körperliche Nähe gut. Der Restaurantbesitzer sass neben mir. Und hielt mich fest. Ich musste gegen die kommende Ohnmacht ankämpfen… plötzlich war alles weit weg und beinahe wäre alles um mich herum dunkel geworden.

Ich sagte der  Polizei, ich wolle in die Klinik. Ich könne jetzt nicht alleine zu Hause sein und ich könne die Sicherheit dass ich mir nichts antue nicht geben… doch dann fiel mir ein, dass es das KIZ (Kriseninterventionszentrum) gab. Und bat den Polizist mich dorthin zu bringen.

Ich wurde ins KIZ gefahren… mit der Diagnose Schock….

*Fortsetzung folgt*


24 Antworten zu „23. Januar oder: der Tag der mein Leben veränderte…“


  1. 25. März 2010 um 07:21

    mir fehlen die Worte, so etwas mit erleben zu müssen! kommst du denn heute besser damit klar?

    • 25. März 2010 um 15:54

      Danke für Deine Worte:-)
      ich hab ganz vergessen zu erwähnen dass das am 23.Januar 2002 war.
      Ob ich heute damit besser klarkomme.. ich weiss nicht. Vielleicht anders als damals aber ich glaube ganz überwinden werd ich das nie.
      Lg Dein Zeckilein

  2. 26. März 2010 um 20:34

    Das ist schrecklich :(
    Ich glaube wirklich ganz überwinden kann man sowas auch nie.

  3. 5 Rena
    28. März 2010 um 08:34

    Wirklich überwinden wird man den Schock nicht können. Versuchen, damit zu leben, ja. “Vorgewarnt” (komme über die Bestatterweblogseite) hätte ich gesagt, dass das Ziehen im Arm für einen Herzinfarkt spricht. Wie ich aber selbst in dieser Situation gehandelt hätte, weiss ich nicht.

    • 28. März 2010 um 18:49

      Liebe Rena
      vielen lieben Dank für Deine lieben Worte! Ich hab mir lang sehr lang Vorwürfe gemacht( auch heute noch zum Teil) dass ich nicht merkte dass es ein Herzinfarkt ist…
      Liebe Grüsse vom Zecklein

  4. 7 nadar
    28. März 2010 um 08:36

    Hier etwas passendes in einem Kommentar zu hinterlassen will mir nicht gelingen. Doch da ich bei dieser Geschichte nicht kommentarlos weitergehen möchte, schreibe ich dies.

    Danke

  5. 9 Jørn
    28. März 2010 um 09:14

    Mein aufrichtiges Beileid. Ich bin sicher, es tut gut, irgendwann diese Geschichten zu erzählen, dann kann man doch wohl etwas besser damit abschließen, oder?
    (Und noch eine Frage: Bist du bei einer Psychiarterin oder einer Psychotherapeuthin?

    • 28. März 2010 um 18:52

      Lieber Jörn

      danke auch Dir vielmals fürs Vorbeischauen:-)
      Ja irgendwie schon. Obwohl das für mich nicht einfach war diese Geschichte zu schreiben…
      Ja ich bin bei einem Psychiater und einer Psychologin:-)

      Liebe Grüße
      von der Zecke..

  6. 28. März 2010 um 12:09

    Danke für Deine bewegende Geschichte.

    Ich weiß um die Symptome eines Herzinfarkts, aber durch das lesen wurde mir bewusst, dass ich sie so, wie Du es erlebt hast, auch nicht zusammen gebracht hätte, so dass ich alamiert genug gewesen wäre. Und sicher geht es vielen so.

    Vielleicht hilft Dein Bericht ein Leben zu retten, weil man in einer ähnlichen Situation sich dran erinnert und zwei an sich total harmlose Symptome kombiniert.

    Es war für Dich sicher schmerzhaft drüber zu schreiben, danke, dass Du es gemacht hast.

    Liebe Grüße, Tatzelwurm

    • 28. März 2010 um 18:55

      Liebe(r) Tatzelwurm:-)

      Ich wusste das auch dass Schmerzen im linken Arm auf einen Herzinfarkt hindeuten können. Nur hätte ich im Leben nie daran geglaubt…

      wenn ich schon Heiri nicht helfen konnte so hoffe ich dass ich damit vielleich ein Leben retten kann…

      Ja es tat und tut immer noch weh. Aber ich kann und will das nicht mehr verdrängen…
      Ich bedanke mich bei Dir für Deine Einfühlsamen Worte!

      Liebe Grüße von der Zecke

  7. 28. März 2010 um 12:55

    Ich komme auch über das Bestatterweblog und sage danke, dass du das aufgeschrieben hast. Irgendjemand wird irgendwann froh sein, weil er in einer ähnlichen Situation ist und nun weiß, dass er nicht alleine ist. Teilen ist immer gut.

    Ich wünsche dir alles Gute!

    • 28. März 2010 um 18:57

      Liebe Nicoleborheier

      ich bedanke mich fürs Lesen meiner Geschichte!
      Ja ich wünschte mir dass ich damit auch was bewegt habe und dadurch jemand anderer gerettet werden kann… und ich denke lieber einmal mehr den Notarzt zu rufen als einmal zu wenig…

      Ich wünsche Dir auch alles Gute!

      Liebe Grüsse
      von der Zecke

  8. 28. März 2010 um 16:29

    Ich hoffe, man konnte dir helfen, es besser zu verkraften. Es wird wahrscheinlich immer eine Narbe hinterlassen. Die Menschen sind unterschiedlich sensibel — und viele merken mehr als sie sich erklären können. Das Empfundene richtig zu deuten ist das Schwierigste überhaupt an dem Ganzen.

    Ich wünsche dir viel Kraft.

    • 28. März 2010 um 18:59

      Liebe(r) ednong

      Jein… meine damalige Psychiaterin meinte darauf hin ziemlich schnell ich sei darüber hinweg. Aber warum ich eine Zeitlang wirklich starke Probleme mit dem Alkohol hatte wusste sie nie…
      ja es ist schwierig.. und ich spühre nach wie vor dass die Narbe gross ist und auch jederzeit wieder aufbrechen kann…

      danke Dir…

      Liäbe Grüße
      von Zecke

  9. 28. März 2010 um 16:34

    Meine Liebe
    Ich möcht gar nöd vill “säge”, will mir eifach d’Wort fähled. Dir dä Schmärz wägneh chani nöd, dir säge du söllsches vergässe gaht nöd und suscht irgend welchi träschtendi Wort findi au nöd.Drum nimmi dich virtuell eifach in Arm! *knuddel*
    Du bisch mega ä starchi Frau, vergiss das nie!

    Alles alles Liebi, ich dänk a diich uns bis bald! Kuss dini ämpee <3

    • 28. März 2010 um 19:02

      Meine liebe ämpee

      Ich bedanke mich für Dini liäbä und iifühlsamä Wort! Und dankä fürs in Arm neh, das duät guät:-)

      dankä für das Kompliment…:-)

      Au Dir alles alles Liäbi ich dänk au a Dich und bis bald. Ich freu mich:-) Kuss Dini Zecke <3

  10. 28. März 2010 um 19:03

    ich möchte mich bei jedem Einzelnen von Euch bedanken für Eure lieben und Einfühlsamen Worte! Ich freue mich über jeden einzelnen Beitrag und finde es so schön zu spühren dass ich damit auch was bewegen kann…

    danke danke danke! Und danke dass ihr alle meine Geschichte gelesen habt:-) Ihr seit klasse!
    Liebe Grüsse
    Eure Zecke

  11. 20 Melanie
    28. März 2010 um 22:01

    Ich komme auch über den Bestatterweblog her. Es tut mir leid was passiert ist und hoffe, Du gibst Dir nicht die Schuld, denn das wäre falsch. Natürlich wirst Du oft drüber nachgedacht haben was gewesen wäre wenn, aber selbst wenn Du es rechtzeitig gemerkt hättest ist fraglich ob Du noch rechtzeitig zur Stelle gewesen wärst. Solche Dinge passieren leider, ich wünschte es wäre anders! Aber schuld daran ist keiner.

    Schlimm ist auch, daß Du schon vorher das Gefühl hattest jemanden durch Tod verlieren zu können, aber man ahnt ja auch nicht daß es dann auch wirklich so kommt.

    Wie oft macht man sich Sorgen und stellt hinterher erleichtert fest, daß es unbegründet war, sowas kann man einfach nicht wissen, nur ahnen.

    Obwohl ich dieses Gefühl auch kenne, aber oft genug lag ich Gott sei Dank auch falsch damit.

    Ich wünsche Dir jedenfalls daß die Narben, die sicher nie vergehen werden, doch wenigstens nach und nach verblassen und Dein Leben nicht zu sehr überschatten.

    Alles Gute!

    • 28. März 2010 um 22:39

      Liebe Melanie:-)

      danke Dir für den lieben Eintrag!
      Doch es gibt Zeiten wo ich mir die Schuld gebe und das Gefühl habe ich hätte das erkennen müssen… ich hätte mit ihm zum Arzt gehen sollen oder ich hätte sofort den RTW rufen sollen…

      ja ich hatte an diesem Morgen ein ganz ganz komisches Gefühl eine innere Unruhe die ich so sonst nicht hatte…

      Gell da ist man hinterher wirklich erleichtert und froh wenn man weiss die Befürchtung hat sich nicht bewarheitet…

      Danke… ich hoffe auch dass die Narben irgendwann verblassen…

      Dir auch alles Gute:-)
      Liebe Grüsse
      vom Zecklein:-)

  12. 28. März 2010 um 22:40

    Meine Liebste!
    Auch wenn wir zusammen auf dem Sofa sitzen und auch oft darüber gesprochen haben: Du gehst richtig damit um. Sich auszutauschen hilft enorm, baut Ängste und Schuldgefühle ab.

    @all: Danke, daß Ihr meiner Liebsten so freundlich Mut zusprecht!

  13. 29. März 2010 um 07:14

    *ne Runde mitheul*
    Sowas rüttelt einen doch auf, auch wenn man selbst unbeteiligt ist. Und es zeigt, wie schwer es ist, aufgrund eines einzelnen Symptoms den Notdienst zu verständigen, wer macht das schon… gut, dass du das aufgeschrieben hast, vielleicht hilft es irgendjemandem, und wenn es auch nur einem einzigen hilft, besser mit einer ähnlichen Situation klar zu kommen oder auch nur einen einzigen Herzinfahrt diagnostizieren hilft, dann ist es schon wunderbar. Ansonsten hat es vielleicht wenigstens dir geholfen… ich wünsche dir, dass die Zeit helfen wird, damit klar zu kommen, leider ist Warten immer noch die beste Methode…


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